25.10.2006, Quelle: Südkurier, Norbert Zysk
Rund 60 Akkordeonspieler aus vier Orchestern, begleitet von Schlagzeugern, Gitarren- und Keyboardspielern, gestalteten ihr Herbstkonzert in Owingen auf mitreißende Weise. Die Programmauswahl und die musikalischen Darbietungen kann man in der gehobenen Klasse der Konzert- und Unterhaltungsmusik ansiedeln.
Owingen - Die Dirigenten Wolfgang Löffler, Helmut Schafranek und Max Schloss haben abermals unterstrichen, dass das Akkordeon längst aus dem "Lederhosen-Image" herausgewachsen ist. Die große Bandbreite an Klangfarben hat das Akkordeon in die Konzertsäle gebracht.
Auf dem Programmblatt für das Konzert wurde angemerkt, dass die Spieler und Dirigenten mit ihren Gefühlen nicht bis Weihnachten warten wollten, sondern bei diesem Herbstkonzert den "Moment mit den Zuhörern leben und gestalten" wollen. Vorsitzender Andreas Fiegener ergänzte: "Mit dem Akkordeon lässt sich Lebensfreude ausdrücken."
Lebensfreude versprühten gleich zu Beginn die jüngsten Spieler aus dem Anfänger- und Schülerorchester. Vielleicht mit etwas Lampenfieber betraten sie die Bühne und erfüllten ihren Part, als ob sie das täglich machen. Nach der Originalkomposition von Alexander Jekic machten sie einen musikalischen Ausflug, in dem sich Marsch- und Walzerklänge harmonisch ergänzten. Beim "Maharadscha-Cha-Cha" von Gottfried Hummel begleiteten sie ihren eigenen Vortrag mit rhythmischem Klopfen auf die Akkordeons.
Mit "Tunesische Impressionen" von manfred Probst leitete das Jugendorchester unter der Leitung von Max Schloss seinen Part ein. Orientalische Klangfarben und Rhythmen gaben zu erkennen, dass eine musikalische Reise über das Mittelmeer nach Nordafrika angesagt war. So war zum Beispiel das lebendige Treiben in Medina deutlich zu spüren. Max Schloss führte seine Musiker gefühl- und zugleich temperamentvoll. Beim Titel "Take me home Contury Roads" schmückte er sich sogar mit einem Cowboy-Hut.
Nach der Pause rüstete sich das erste Orchester unter Leitung von Wolfgang Löffler zum Höhepunkt des Abends. Die Körpersprache des engagierten Löffler am Dirigentenpult übertrug sich schnell auf die Spieler, die ihrem Part mit einer für Amateure erstaunlichen Präzision und der Takttreue eines Metronoms gerecht wurden. Löffler gelang es darüber hinaus exzellent, die unbegrenzt scheinenden Möglichkeiten des Balgeinsatzes und der Registervariationen des Akkordeons darzustellen.
Ansagerin Karin Kristen sagte mehrfach: "Jetzt geht's los, jetzt wird's zünftig." Darauf antwortete das Orchester mit der "Rocky- Mountains-Suite" von Julius Steffaro "kraft- und klangvoll". Den Passagen in mezzoforte und forte fügten sich harmonisch solche im Mezzopiano an. Nach dem kraftvollen Finale des ersten Satzes (Viehtrieb) spendeten die Zuhörer spontan Applaus.
Dass Wolfgang Löffler technisch anspruchsvolle Titel ins Programm aufnahm, erkannten die regelmäßigen Besucher seiner Konzerte sofort. Zum Beispiel beim Tango "Olé Guapa" von A. Malando. Dieses Stück verlangt "schnelle Finger", um den Solo-Lauf über die Tasten zu beherrschen. Das gelang perfekt. Ähnliches gilt für den Paso Doble "Malaga" von Joe Rixner. Einen Stierkampf musikalisch umzusetzen, ist schon höchste Musikkultur. Und wer Will Glahé kennt, war gespannt, was die Harmonika-Freunde aus dem Titel "Huckepack" machen. Dieses Foxtrott-Intermezzo war ein Genuss besonderer Qualität, was mit fast stehendem Applaus bedacht wurde. An der Zugabe des "Deutschmeister-Regiments-Marsch" beteiligten sich phasenweise auch die Zuhörer mit begleitendem Klatschen.
Der Höhepunkt des Konzertes kam beim großen Finale. Auf der Bühne positionierten sich neben den Owingern einige bekannte Gesichter. Kairn Kirsten klärte auf, dass es sich dabei um die Spieler des ersten Akkordeonorchesters Aach-Linz handelt, die gemeinsam mit den Owingern dieses Finale gestalten wollten. Die Zuhörer kamen aus dem Staunen und Schwärmen nicht heraus. Die Filmmelodie zur "Star-Wars-Trilogie" und die Rockballade "Music" von John Miles krönten einen erlebnisreichen Konzertabend.